Über die Höhle
Die Aggertalhöhle Ründeroth liegt im Riffkalk des Oberen Mitteldevon. Das Erdzeitalter des Devon ist datiert auf den Zeitraum vor 419 bis 358 Millionen Jahren. Das Obere Mitteldevon umfasst dabei den Zeitraum von etwa 387 bis 382 Millionen Jahren. In diesem Zeitraum waren weite Teile des heutigen Mitteleuropa von einem tropischen Flachmeer bedeckt und lagen auch sehr viel näher am Äquator. Am Meeresboden breiteten sich artenreiche Riffgemeinschaften aus. Hauptsächliche Vertreter dieser Riffgemeinschaften sind rugose und tabulate Korallen, deren Fossilien wir in der Aggertalhöhle an vielen Stellen bewundern können.
Der große in der Höhle sichtbare Fossilienreichtum ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass der über der Kalkschicht lagernde Tonschiefer oder Tonstein dem kohlensäurehaltigen Oberflächenwasser den Zugang zur Kalkschicht verwährt. So konnten sich nur an ganz wenigen Stellen Tropfsteine und Sinterüberzüge auf den Höhlenwänden bilden. Damit bietet die Aggertalhöhle in einzigartiger Weise die Möglichkeit, Fossilien einer längst verschwundenen Meeresfauna zu entdecken. Die offenen Höhlenwände zeigen aber auch in ganz besonderer Weise, welche gewaltigen Kräfte einst Gebirge formten und die Voraussetzungen für die Entstehung von Höhlen schufen.
Unternehmen Sie mit unseren Höhlenführern eine kleine Reise in die Vergangenheit. Erleben Sie in der Höhle die Faszination der Erdgeschichte und lassen Sie sich aus dem Geschichtsbuch der Erde vorlesen. Es gibt viele spannende Geschichten zu entdecken.
Spannende Reise in die Vergangenheit
Erdgeschichte ist so spannend wie ein guter Kriminalroman. Oder eine Episode aus einer Forensik-Serie im Fernsehen. Es gibt einen Ort, wo man das alles erleben kann. Wo man, mit etwas Phantasie, sogar eine kleine Zeitreise unternehmen kann. Die Aggertalhöhle bietet auf einzigartige Weise einen Blick in die Erdgeschichte. Entdecken Sie Fossilien aus längst vergangen Erdzeitaltern und folgen Sie den Spuren der Zeit, die man entlang des Führungsweges in der Aggertalhöhle überall sehen kann. Wandern Sie gemeinsam mit unseren Höhlenführern durch ein begehbares Geschichtsbuch.
Dramatische Veränderungen
Die Erdgeschichte ist eine Geschichte von ständigen Veränderungen. So gab es Zeiten der relativen Ruhe, die mit Zeiten manchmal rasanter Veränderungen abwechselten. Diese wechselvolle Geschichte kann man in der Aggertalhöhle hautnah erleben. Korallenriffe entstanden und vergingen. Gebirge wurden geformt und wieder abgetragen. Spuren dieser bewegten Geschichte sind an vielen Stellen der Höhle zu entdecken. Man spürt die gewaltigen Kräfte, die das Kalkgestein der ehemaligen Korallenriffe und viele andere Sedimentgesteine des Meeresbodens zu Gebirgen gefaltet und aufgetürmt haben.
Viele Menschen fragen, warum finden wir hier im Oberbergischen Land Gesteine, die einst am Meeresboden entstanden sind? Die Antwort auf diese Frage können Sie im Rahmen einer Führung durch die Aggertalhöhle entdecken. Es gibt so vieles, das wir uns kaum vorstellen können. Aber einiges davon wird für unsere Gäste nach einer Führung durch die Höhle besser vorstellbar sein.
Gänge und Hallen
Wie entstehen überhaupt Höhlen? Auf diese Frage gibt es viele Antworten. In Märchen und Sagen werden Höhlen oft mit Zwergen in Verbindung gebracht. Auch die Phantasy-Literatur lässt gerne Wesen wie Orks und Zwerge die Höhlen bauen. Aber wie entstehen Höhlen nun wirklich?
In der Aggertalhöhle finden Sie auch dafür die Antwort. Von unseren Höhlenführern erfahren Sie, wie eine Höhle entsteht, was bei der Höhlenentstehung passiert und welche Voraussetzungen dafür notwendig sind. Auch das sind spannende Kapitel im großen Buch der Erdgeschichte.
Geschichte der Höhle
Einige Daten und Fakten zur Entdeckungs- und Forschungsgeschichte der Aggertalhöhle:
- Die Höhle wurde laut historischen Unterlagen im Jahre 1773 durch einen Zufall entdeckt.
- Eine erste Erwähnung findet die Höhle jedoch erst im Jahre 1819 unter dem Namen «Feckelsberger Höhle».
- Im Jahre 1890 wurde erstmals ein Stollen in die Höhle vorgetrieben. Er besaß damals jedoch nur einen Holzausbau, der später wieder einstürzte. Der Tagbruch ist heute noch sichtbar.
- 1910 fertigte WOLF einen ersten Höhlenplan an.
- Ab 1927 wurde die Höhle für die Besichtigung durch Besucher ausgebaut und mit elektrischer Beleuchtung versehen.
- Am 12. Oktober 1930 wurde die Höhle unter dem Namen «Felsen- und Muschelhöhle» erstmals für den breiten Besucherverkehr als Schauhöhle geöffnet.
- Im Verlauf des 2. Weltkrieges wurde der Führungsbetrieb zunächst wieder eingestellt. Zwischen 1944 und 1945 diente die Höhle als Luftschutzkeller.
- Ab 1948 finden wieder Führungen statt.
- Im Jahre 1950 wurde die Höhle in «Aggertalhöhle» umbenannt.
- 1952 wurde der Stollen mit einem Betonausbau versehen.
- Im Jahre 1960 wurde die Höhle von HOLZ erneut vermessen. Der neue Plan verzeichnete eine Gesamtlänge von 650 Metern.
- Seit 1995 wird die Aggertalhöhle durch den Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. wissenschaftlich betreut. Im Rahmen dieser Betreuung wurde die Höhle bis 1996 in mehreren Arbeitseinsätzen neu vermessen. Dabei wurden noch etliche Meter neuer Gänge entdeckt, so dass sich die Gesamtganglänge auf die heute bekannten 1.071 Meter vergrößerte.
- Der neue Höhlenplan wurde 1997 durch den Arbeitskreis Kluterthöhle übergeben.
- Im Sommer 2021 wurde die Aggertalhöhle einer gründlichen Sanierung unterzogen und mit einer modernen LED-Lichtanlage ausgestattet. Vieles, was die Besucher jetzt in der Höhle zu sehen bekommen, wurde erst durch die Sanierung freigelegt und durch die neue Höhlenbeleuchtung ins rechte Licht gerückt.